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Schulmaterial zum Film

Pauline (Émilie Dequenne) arbeitet als Krankenschwester in einer Kleinstadt im strukturschwachen Norden Frankreichs. Sie kümmert sich um ihren Vater und zieht ihre beiden Kinder allein groß. Sympathisch und aufopferungsvoll wie sie ist, wird sie von allen gemocht.
Ihre Glaubwürdigkeit will sich eine aufstrebende nationalistische Partei zu Nutze machen und wirbt sie als Kandidatin für die kommenden Bürgermeisterwahlen an. Der charismatische Arzt Dr. Berthier (André Dussollier) umschmeichelt Pauline und überredet sie zu kandidieren. In ihrem Beruf täglich mit sozialen Missständen konfrontiert, lässt sie sich von seinen populistischen Ansichten mitreißen, in der Hoffnung, in der Lokalpolitik etwas bewirken zu können. Ihr sozialistisch geprägter Vater ist bestürzt über den Gesinnungswandel seiner Tochter. Und diese muss bald erkennen, dass sie nur als hübsches Gesicht der landesweiten Wahlkampagne von Parteichefin Agnès Dorgelle (Catherine Jacob) dienen soll.

Der belgische Regisseur Lucas Belvaux zeigt in seinem spannend inszenierten Politdrama, wie sich anständige, engagierte Menschen allzu leicht vom Populismus einnehmen lassen. Die gewinnende Hauptdarstellerin Émilie Dequenne, die als Rosetta in dem gleichnamigen Film der Dardenne-Brüder bekannt wurde, vermittelt diese Ambivalenz überzeugend. Sie spielt Pauline als liebenswerte junge Frau mit einer authentischen Mischung aus Gutgläubigkeit und Stärke.
Aufgrund seiner deutlichen Anspielungen auf den rechtsextremen Front National und seine Vorsitzende Marine Le Pen sorgte DAS IST UNSER LAND! schon vor seinem offiziellen Kinostart in Frankreich heftig für Furore. Belvaux legt die Arbeitsmethoden rechtsextremer Parteien offen und liefert damit auch zum deutschen Wahlkampf einen aufschlussreichen Diskussionsbeitrag.

Interview mit Lucas Belvaux
Es ist das erste Mal, dass Sie ein Drehbuch mit einem Co-Autor geschrieben haben, in diesem Fall mit dem Schriftsteller Jérôme Leroy. Warum wollten Sie mit jemand anderem schreiben?
Aus zwei Gründen. Zuallererst war es der beeindruckende Roman „Le Bloc“ von Jérôme Leroy, der meine Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt hat. Es erschien mir unmöglich, die Buchvorlage in ein Filmformat zu pressen, aber ich habe eine bestimmte Art des Umgangs mit der Thematik übernommen. Zweitens habe ich unbedingt jemanden gebraucht, der sich mit dem Thema sehr gut auskennt – man könnte fast sagen, auf intime Weise – in jedem Fall aber im Hinblick auf die technischen Aspekte, die Arbeitsprozesse, die ganze Maschinerie und die Geschichte. Darüber hinaus lebt Jérôme im Norden von Frankreich. Er weiß, wovon er spricht.

Die Figur der Agnès Dorgelle, gespielt von Catherine Jacob, weist Ähnlichkeiten mit Marine Le Pen auf. Wie war diese Rolle angelegt?
Ich sehe in ihr mehr eine Art Echo als ein Porträt. Sie ist eine Filmfigur, „inspired by“, und in diesem Fall gab es sehr viel, von dem wir uns inspirieren ließen und mit dem wir arbeiten konnten. Unglücklicherweise. Ich habe die prägnantesten Merkmale übernommen, jene, die sie sofort identifizierbar machen – das blonde Haar etwa oder ihre Schroffheit. Sie sind von Bedeutung für die Wähler und ein fast schon unbewusster Träger von non-verbalen Botschaften. Interessanterweise funktioniert dieses Prinzip überall, es gibt diese Art von „internationalen Populisten“. Ich wollte mich auf die öffentliche Person fokussieren. Wir kennen sie nicht als Privatperson, selbst wenn wir sie in ihrem Zuhause zu sehen bekommen. Sie zeigt sich nur im Zusammenhang mit Politik, mit Kundgebungen und Zusammenkünften. Nur so möchte sie gesehen werden, sie hat sich für diese Selbstdarstellung entschieden und daran arbeitet sie – und nur in diesem Kontext ist sie für mich interessant. Es ist ein Image ohne Schattierungen, um so wirkungsvoll wie möglich zu sein. Das ist schon fast wieder ein Motto für sich.

Es ist kein Zufall, dass Berthier (André Dussollier), der Mann, der Pauline den Weg in die extreme Rechte weist, ein Arzt ist. Er war sehr freundlich zu ihrer kranken Mutter, und Pauline sieht in ihm eine Art Beschützer.
Oder eine Vaterfigur – etwas, dem wir uns wiederholt zuwenden. Sie kennt ihn, seit sie ein Teenager war, und er ist ein Kollege. Er ist bodenständig und Anhänger einer altmodischen, rechts stehenden politischen Bewegung, die im Norden Frankreichs aktiv ist. Tatsächlich gibt es eine populistische Tradition innerhalb der extremen Rechten, eine gewisse Liebe „zum Volk“, obwohl absolut nicht klar ist, wer damit überhaupt gemeint ist. Für Pauline ist Berthier eine zwiespältige Figur: Er ist ehrlich, was seine Zuneigung zu ihr betrifft, doch auf der anderen Seite manipuliert er sie.

Fiel Catherine Jacob und André Dussollier die Entscheidung schwer, diese Rollen anzunehmen?
Ich glaube, dass beide lange und eingehend darüber nachdenken mussten, bevor sie akzeptiert haben. Zweifelsohne empfanden sie es als riskant, und sie haben sich gefragt, wie man sie wahrnehmen würde, wenn sie solche Charaktere darstellen. Bisweilen fielen am Set Sätze wie „Was verlangst du von mir, zu sagen!“ In der Tat waren einige von Berthiers Textpassagen und Agnès Dorgelles Rede bei der Kundgebung sehr brutal. Aber Schauspieler müssen überzeugend und absolut aufrichtig sein, sonst funktioniert es nicht. Und wenn es funktioniert, bleibt noch immer diese Angst, dass das Publikum die Rolle mit dem Schauspieler, der sie spielt, verwechseln könnte.

Die Verantwortlichen der rechtsextremen Partei sind wie Headhunter, die nach klar umrissenen Kandidaten Ausschau halten. Spiegelt das die Realität wieder?
Im Grundsatz ja. All die Probleme, mit denen sich die extreme Rechte herumschlagen muss – ihre unterschiedliche Zusammensetzung, die unklaren Abgrenzungen und das, was im Internet geschrieben wird (was wir die Faschosphäre nennen) – werden im Film genau untersucht. Wir haben nichts hinzugefügt als das, was in der Erzählung passiert. Um die Frage zu beantworten: In politischen Parteien gibt es immer Formen von Marketing, Werbung und Propaganda. Das ist sogar das Ziel jeder Wahlkampagne. Was den Front National von anderen unterscheidet, sind zwei spezielle Probleme: Er möchte respektabel wirken und er hat an jeder Ecke Kandidaten, aber es mangelt ihm an Führungskräften. Das ist auch der Grund, weshalb so viele junge Leute und Frauen aus rechtsextremen Parteien auf den Wahllisten stehen – ein Phänomen, das für alle europäischen Länder gilt. Sie möchten das Bild einer jungen, fröhlichen Partei vermitteln, die den Menschen nah ist, einer Partei der Erneuerung. Und diese Kandidaten, diese Novizen ohne politische Erfahrung, erfreuen sich an der schnellen Anerkennung und dem raschen Aufstieg in dieser politischen Gruppierung – ein Weg, der innerhalb der traditionellen Parteien sehr viel schwieriger ist. Hinsichtlich der Seriosität ergibt sich hier kein sehr gutes Bild. Einer Untersuchung von 2012 zufolge war der Front National die Partei mit den meisten vorbestraften oder unter Anklage stehenden gewählten Mitgliedern. Die Daten sind schon ein paar Jahre alt, deshalb würde es mich sehr interessieren, wie die Situation heute ist.

Wie ist Émilie Dequenne an das Drehbuch und die Entwicklung ihrer Figur herangegangen?
Émilie hat sich durch ihre Rolle in den Film hineinziehen lassen, Szene für Szene und Wort für Wort. Sie hat nicht versucht, die Figur ihrer eigenen Persönlichkeit unterzuordnen. Stattdessen hat sie sich der Rolle stückweise angenähert, bis sie sie genau durchdrungen hat. Und wir sind jede problematische Regieanweisung gemeinsam durchgegangen, beispielsweise haben wir über die Brutalität ihrer Figur so lange gesprochen, bis wir uns einig darüber waren, welche Aussagen wir hier vermitteln möchten und an welchen Stellen im Film diese Heftigkeit eingedämmt oder eben freigesetzt werden sollte. Letzteres etwa in der Szene zu Beginn des Films, wenn sie am Telefon sehr brüsk mit dem Vater ihrer Kinder spricht.

Ihr Film unterscheidet sich von dem, was man „Linker-Flügel-Fiktion“ nennen könnte, die eine klare politische Aussage kennzeichnet. Es geht Ihnen mehr darum zu verstehen, was Menschen bewegt, sich rechtsextremen Bewegungen anzuschließen. Aber besteht im Medium Kino nicht auch die Gefahr, Mitgefühl mit „dem Feind“ zu entwickeln?
Die Gefahr besteht, aber wir brauchen dieses Mitgefühl. Es prägt meine Arbeitsweise, denn ich versuche herauszufinden, was uns bis hierhin gebracht hat. Empathie ist nicht gleichbedeutend mit Identifikation. Ich verlange vom Publikum nicht, dass es sich mit den Handelnden identifiziert. Die Idee ist vielmehr, sich an ihre Seite zu stellen, sich in ihre Situation zu versetzen, um zu verstehen, welchen Weg sie gegangen sind. Verständnis für einen bestimmten Ablauf zu entwickeln heißt nicht zwingend, ihn zu teilen oder gar zu verteidigen. Das ist etwas, worauf ich als Filmschaffender besondere Aufmerksamkeit lege. Ich möchte, dass das Publikum sich frei fühlt, zu denken, was es will.
Ich glaube, dass es eine Art totalitäres Kino da draußen gibt, das den Zuschauern seine Ansichten aufdrängt, indem die Charaktere in gut und schlecht aufgeteilt werden. Und dann gibt es eben die Art von Kino, das seine Geschichten „demokratisch“ erzählt; in dem die Filmschaffenden zwar ihre Ansichten nicht verstecken, aber dem Publikum genug Freiraum lassen, um seine eigenen zu entwickeln.

Besetzung

 
Pauline Émilie Déquenne
Philippe André Dussollier
Stéphane/Stanko Guillaume Gouix
Agnès Catherine Jacob
Nathalie Anne Marivin
Jacques Patrick Descamps
Nada Charlotte Talpaert
Victoire Stéphane Caillard
Jean-Baptiste Cyril Descours
Dominique Michel Ferracci
   

Stab

 
Regie Lucas Belvaux
Drehbuch Lucas Belvaux, Jérôme Leroy
Kamera Pierric Gantelmi d‘Ille
Schnitt Ludo Troch
Szenenbild Frédérique Belvaux
Kostüm Dorothée Guiraud
Musik Frédéric Vercheval
Produzent David Frenkel, Patrick Quinet
Produktion Synecdoche, Artemis Productions
Ko-Produktion France 3 Cinema, RTBF (Television Belge), Voo-Be TV, Shelter Prod
   

„Rassismus ist oft tief verwurzelt und kommt auch in charmanter Form daher. Umso wachsamer müssen wir sein und dürfen ihm keinen Raum geben. Der Film zeigt, wie schwer das sein kann – und warum sich der Versuch trotzdem jeden Tag lohnt.“
Gib Rassismus keine Chance e.V.

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„Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, die Familien, Freundeskreise und ganze Dörfer entzweien – Das ist unser Land! schafft es, die Vielschichtigkeit rechten Gedankenguts im Alltag darzustellen und greift damit alarmierende Tendenzen eines sich verbreitenden Rechtspopulismus auf.“
Otto Brenner Stiftung

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„DAS IST UNSER LAND! zeigt eindrucksvoll: Wer mit hasserfüllten Parolen gegen Menschen hetzt, schürt immer auch Gewalt gegen sie.“
Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.

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„Der Film zeigt auf erschreckend ehrliche Weise, wie einfach die neue extreme Rechte Menschen für ihre Zwecke verführt und skrupellos missbraucht.“
d|part - Think Tank für politische Partizipation

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